Trans*Feminismus #1

Ich habe lange darüber nachgedacht, etwas zu dem Thema zu schreiben, aber da dieser Blog sich auch um mich drehen soll, habe ich mich dazu entschlossen, doch meine Gedanken mit euch zu teilen.

Ich möchte mit einer Frage beginnen.
Wie oft macht ihr euch über Anpassung Gedanken?
Für mich war Anpassung schon immer ein wichtiges Thema. Sowohl vor als auch bei der Transition. Im Kontext von Trans* meine ich das sogenannten Passing. Das Wort Passing war für mich eine gewisse Zeit das Thema! Ich wollte die äußerlichen Merkmale einer ‚Bio‘-Frau (Cis-Frau), ich wollte so klingen – wie eine Frau und ich wollte auf Frauen als Frau attraktiv wirken. Ich bin eine Frau und wie alle Frauen trage ich eben auch die gleichen Ängste und Wünsche in mir. Ich würde es nicht einmal auf die Geschlechter begrenzen, sondern es als Menschsein begreifen.

Viele meiner Freund*innen meinten, dass ich eine Wesensveränderung durchgemacht hätte. Und ja, dazu stehe ich! Warum auch nicht? Alle Menschen machen eine Transition mindestens im metaphorische Sinne durch. Sei es die Kindheit und Pubertät, das Erwachsenwerden, ein Coming-out. Jede*r von uns hatte eine Grenzerfahrung und hat Grenzen überschritten. War es schwer diese Grenzen zu überschreiten? Ich sage, es kommt auf die Grenze an und wer die Grenze gesetzt hat. Wer zum Beispiel Rauschgift zu sich nimmt, überschreitet eine schmerzhafte Grenze für sich selbst. Wer zu seinen/ihren Gefühlen steht und sich als homosexuell outet, überschreitet eine gesellschaftliche Grenze, man fällt aus der Heteronormativität heraus. Schon bei diesem kleinen Schritt, zur Homosexualität, polarisiert Mann und Frau die Gesellschaft. Nun kommen noch Trans*, Inter und Non Binary dazu. Was für ein Stress?!

Ein Bekannter meinte vor kurzem zu mir: „Jetzt wird es doch zur Mode allem und jedem einen Namen zu geben„. Mein Gedanke war <<what!>> – wenn es für etwas einen Namen gibt, können Probleme, Diskriminierung usw. benannt werden und Lösungen für Akzeptanz, Toleranz erarbeitet werden. Ich möchte mal sehen, wenn besagter Mann keine Bezeichnung für sein Geschlecht hätte und damit kein Austausch darüber stattfinden könnte, weil es vielleicht noch gesellschaftlich unterdrückt und verachtet wird oder sogar unbekannt ist!? Das Argument, dass sich jemand nicht in die Lage von der betroffenen Person versetzen kann, fühlt sich für mich … wie eine Ausrede an – sich nicht emotional dieser Herausforderung zu stellen (was ja auch okay sein kann, wenn betreffende Person dazu stehen würde). Sich gewissermaßen der Empathie zu verweigern!? Trans*Menschen hören Sprüche wie „Als du früher ein Kerl warst, hast du mir besser gefallen„, „Wir wollen dein altes Ich wieder haben„, „Du bist keine richtige Frau, du hast einen Penis„, „Du bist kein Mann, nur weil du jetzt einen Bart hast, …, du hast ja immer noch eine Vagina„, „Du verkleidest dich doch nur als Frau/Mann“ …

Trans*Menschen waren schon immer die Frontline des Feminismus!

Trans*Menschen und gerade Transfrauen polarisieren mit jeder Sekunde die Gesellschaft. Sie brechen die Schönheitsideale von Wirtschaft, politischen und religiösen Ansichten und auch mit der Kultur des Patriarchats. Kant mahnt uns, uns kritisch zu hinterfragen. Nur ist tatsächlich alles auf eine selbstverschuldete Unmündigkeit zurückzuführen? „Du hast dich entschieden ein*e Mann/Frau zu werden“ … Ich würde argumentieren, dass die Gesellschaft entschieden hat, mich in einem Geschlecht zu sozialisieren, welches nicht zu mir passt. Für mich ist Gesellschaft und Familie in einem Kontext zu betrachten, da die Gesellschaft auf die Familie aufbaut.

Allgemein, weswegen sollten wir als Feminist*innen auf eine Gesellschaft hören und folgsam Amen sagen? Wir führen seit Jahrzehnten Debatten, machen Kunst und Kultur, arbeiten mit niedrigen Budgets am Wandel der Gesellschaft, wo jede*r die gleichen Chancen bekommen soll …! Die Realität spricht von Ablehnung, die Realität spricht von Verunglimpfung, die Realität spricht von Armut, die Realität spricht von Assimilation. Das sind natürlich nur Negativbeispiele …

<<… denn es läuft ja für Trans*Menschen mit passing – mit Ausweis, mit OP – das sind Möglichkeiten …, Ist doch super! Wer schön sein will, muss leiden …>>

Ich wünsche mir mehr Trans*Menschen im öffentlichen Raum, sichtbar! Wie schön wäre es, wenn ein Transmann, eine Transfrau, Intersexuelle und Non Binary’s die Nachrichten in der Tagesschau oder im Radio moderieren! Wir sind noch immer nicht im öffentlichen Raum und wir sollten uns fragen, wie wir das stellen!

Mir ist bewusst, dass jede/r Trans*, Inter* und Non Binary ein Opfer auf dem Schlachtfeld des patriarchalischen Esstischs sein wird. Zusätzlich wird es dann wohl heißen “ …immer diese ‚Freaks‘, brauchen IMMER mehr Aufmerksamkeit, …, die denken wohl, sie wären etwas besonders, … hach, ich bin individuell und so…„. Und ja, so etwas wird gesagt, schließlich müssen wir ja IMMER im Mittelpunkt stehen. Dass WIR (alle eingeschlossen – Queerfeminist*innen) im einfachsten Fall einfach nur die Hässlichkeit der Ablehnung, Diskriminierung Spiegel fällt dann offenbar nicht auf.  Das Privileg CIS zu sein, sodass die biologische und gefühlte Geschlechtsidentität eindeutig sind, haben nicht alle. Und eben diese Privilegien müssen wir mühsam erkämpfen.

Wir wissen – wer wir sind und wir wissen – wer ihr seid, das macht den Unterschied aus!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s